Monatsspruch Juli 2026 Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. (Amos 5,24)

Ich muss gestehen: Ich habe neulich einen Stein viel zu weit geworfen.

Ich stand am Elbstrand beim Friedhof Finkenriek, eigentlich ganz entspannt, und wollte diesen einen perfekten „Flitscher“ hinbekommen. Sie wissen schon – der Stein hüpft über das Wasser, einmal, zweimal, vielleicht sogar fünfmal. Bei mir: einmal „plopp“ und weg war er.

Neben mir ein Kind, vielleicht acht Jahre alt. Es schaut mich an, grinst und sagt: „Man muss flach werfen.“ Dann zeigt es mir, wie es geht. Sein Stein hüpft tatsächlich viermal.

Ich habe gelacht. Und gleichzeitig dachte ich: Wie oft versuchen wir, Dinge „richtig“ zu machen und merken erst durch andere, dass es auch anders geht.

Vielleicht ist das mit der Gerechtigkeit ähnlich.

Wir denken oft groß: Gesetze, Politik, Weltgeschehen. Und ja, das gehört dazu. Aber Amos spricht von etwas, das fließt. Etwas, das sich bewegt. Nicht nur in großen Entscheidungen, sondern in kleinen Momenten.

Wie dieser kurze Blick zwischen mir und dem Kind.
Ein bisschen Geduld. Ein bisschen Teilen von Wissen. Kein großes Ding und doch irgendwie gut.

Ich frage mich manchmal: Wo versiegt dieser Strom bei uns?

Vielleicht genau da, wo wir denken: „Das geht mich nichts an.“
Oder: „Das bringt doch sowieso nichts.“
Oder auch: „Das ist mir jetzt zu anstrengend.“

Und dann bleibt es trocken.

Dabei sind es oft diese unscheinbaren Situationen, die etwas verändern könnten:

Wenn jemand einen schiefen Witz macht und ich nicht mitlache!
Wenn ich merke, dass jemand übergangen wird und ich nachfrage!
Wenn ich mir Zeit nehme für ein Gespräch, obwohl ich eigentlich weiter müsste.
Wenn ich jemanden sehe, der sonst übersehen wird.

Das fühlt vielleicht nicht immer super mutig an. Eher ein bisschen unbeholfen. So wie mein missglückter Steinwurf.

Aber vielleicht geht es gar nicht darum, besonders gut zu werfen. Sondern darum, überhaupt zu werfen. Immer wieder. Und darauf zu vertrauen, dass sich etwas bewegt. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mich nervt, dass keiner meiner Steine auch nur zweimal über das Wasser gehüpft ist.

Vielleicht ist das die Einladung dieses Verses: Sich nicht mit Dingen abzufinden. Sondern anfangen. Einfach mal wagen. Mit dem, was gerade möglich ist.

Und vielleicht erleben wir dann, dass etwas ins Fließen kommt.

Ich wünsche dir für diesen Juli solche Momente.
Momente, in denen etwas weitergeht, obwohl es klein beginnt.
Momente, in denen du merkst: Da ist mehr in Bewegung, als ich gedacht habe.

Und vielleicht schafft es dein Stein zumindest zweimal über das Wasser zu hüpfen. Ich würde es dir wünschen.

Deine Pastorin
Rebecca Assif

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